Mageia 2

Zur Abwechslung habe ich Lust auf eine Linuxdistribution gehabt, die „einfach funktioniert“. Systeme, wie Gentoo, Debian netinstall oder LFS, haben zwar den Vorteil, dass man sich ein schlankes, maßgeschneidertes System bauen kann. Der Nachteil ist auf der anderen Seite gerade diese Bastelei. Wenn man dann auch noch Software aus dem Testzweig der jeweiligen Distributionen verwendet ist der Bastelspaß noch viel größer.😉

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Distributionen, die „einfach funktionieren“. Die sind alles andere als maßgeschneidert. Sie sind in der Regel nicht ganz so flott, weil die Software, angefangen beim Kernel, für ein möglichst breites Spektrum an Hardware und Nutzern ausgelegt ist. Dienste, die man nie nutzen wird, werden schon beim Start geladen, für jeden erdenklichen Zweck sind Programme vorinstalliert… Diese Distributionen versuchen Eier legende Wollmilchsäue zu sein (Darf man das als Veganer eigentlich sagen😉 ), und in der Regel lassen sie für den alltäglichen Gebrauch auch nichts vermissen. In vieler Hinsicht sind sie nutzerfreundlicher als Windows. Wenn ich da beispielsweise an den Mediaplayer oder den Standard-Browser denke… In mancher Hinsicht vielleicht nicht. Das soll hier schließlich kein Windoof-Dizz werden.😛

Neben den ganzen *untus und deren Ablegern kommen als solche Wollmilchsäue beispielsweise OpenSuse, Sabayon, Snowlinux, Pardus oder PCLinuxOS in Betracht. Für Ubuntu konnte ich mich persönlich noch nicht begeistern. Hatte es auch einmal kurz auf meinem Rechner, lief auch problemlos. Aber allein der Hype um diese Distribution geht mir einfach tierisch auf den Senkel. Der größte Vorteil von Ubuntu ist, meiner Meinung nach die große Community, die sich durch das breit angelegte Marketing um diese Distro geschart hat und vielleicht der Big Spender hinter dem Projekt. Open Source bedeutet aber auch vielfalt und es gibt eine ganze Reihe von nutzerfreundlichen Linux-Distributionen, die mit Ubuntu mithalten können. Da schaue ich mich lieber noch ein bisschen um, bevor ich in den Chor der Ubuntu-Jünger mit einstimme, um die beste Distro auf dem Planeten zu preisen.😉 Ein großes Plus hat Ubuntu auf jeden Fall. Wenn ich nach einer Lösung für ein Konfigurationsproblem im Netz suche, stoße ich fast immer auf ein Ubuntu-Wiki oder auf eines von Arch.

Eine realtiv junge Wollmilchsau ist Mageia. 2010 wurde Mageia von Mandriva geforkt. Die Firma Mandriva war damals in finanziellen Schwierigkeiten und entließ einen großen Teil ihrer Programmierer. Diese entschieden sich, die Distribution als Community-Projekt weiter zu entwickeln. Mittlerweile nutzt Mandriva Mageia als Basis für ihr Server-Produkt. Wenn das mal kein Signal ist: Entlasst eure Programmierer, die können das Coden sowieso nicht lassen.😉

Jedenfalls ist im Mai die zweite Version von Mageia veröffentlicht worden. Die Standard-Desktopumgebung ist KDE, als Paketformat dient RPM, die Office-Suite ist Libre-Office, browsen kann man standardmäßig mit Firefox oder Konquerer, Ekiga-Softfon ist für IP-Telefonie und Videokonferenzen mit dabei, GIMP ist mit von der Partie, uvm.. Zur Konfiguration gibt es, wie schon bei Mandrake/Mandriva, die Drak-Tools. Mit dem Kontrollzentrum und natürlich KDE erinnert Mageia ein wenig an OpenSuse. Firmware kann man über ein nonfree Repositorie nachinstallieren. Es gibt noch ein tainted Repositorie, wo z.B. Multimedia-Codecs drin sind, deren Rechte nicht vollständig geklärt sind. Man muss im Prinzip nichts über die Kommandozeile machen. Mageia funktioniert bisher einfach „out of the box“, ohne dass man sich mit linuxspezifischen Dingen auseinandersetzen muss. Also, genau das was ich gesucht habe.

Was nicht auf Anhieb lief, waren meine DVDs. Selbst nach der Intsallation von libdvdcss2 und dem mplayer aus den tainted Repositories wollte weder Totem noch der Dragon-Player meine DVDs erkennen. Erst mit dem Smplayer als Frontend gabs dann auch Bewegtbild von der Video-Disc. Ich werde das Problem mal im Mageia-Forum posten. Ansonsten kann ich Mageia jedem Linux-Neuling empfehlen, der keine Lust hat, sich all zu sehr mit dem „Innenleben“ einer Distribution auseinander zu setzen.

EDIT: Der DragonPlayer läuft, wenn man diverse Gstreamer-Pakete installiert. Für Newbies finde ich es doof, dass die Programme nicht installiert sind oder wenigstens auf die fehlenden Pakete hingewiesen wird, wenn man eine DVD damit abspielen will. Aber es ist wahrscheinlich eh so, dass die meisten ihren Lieblingsplayer (VLC, Mplayer…) installieren und sich nicht weiter um den vorinstallierten DragonPlayer kümmern. Unter Windows-Nutzern kenne ich auch niemanden, der den Mediaplayer oder den Internet-Explorer benutzt.(Warum sie Windows trotzdem als Unterbau für VLC, Firefox und OpenOffice nehmen ist mir allerdings unklar)

~ von tofuzius - Juni 20, 2012.

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