Fetih 1453

Fetih 1453“ ist ein türkischer Kriegsfilm über die Belagerung und Eroberung von Konstantinopel durch Mehmet II.. Der Film ist mit einem Budget von 15 Millionen Euro die bisher teuerste Produktion aus der Türkei. Auch wenn das im Vergleich zu Hollywood-Produktionen eher kleines Geld ist – dort wurde bereits 1991 mit „Terminator 2“ die 100-Millionen-Dollar-Marke erreicht – kann sich Fetih durchaus sehen lassen.

Die Resonanz auf den Film ist ziemlich durchwachsen. In der Türkei kam der Film ziemlich gut an. Bestimmte christliche Gruppen hingegen sehen in dem Streifen ein Stück islamistischer Propaganda oder sogar Geschichtsrevisionismus und rufen zum Boykott des Films auf. Hier in Deutschland wurde der Film fast überhaupt nicht besprochen, was wohl vor allem daran lag, dass keine Pressevorführungen gegeben wurden. Böse Zungen behaupten, man habe wohl Angst vor schlechter Kritik gehabt. Zumindest gab es scheinbar kein großes Interesse an deutscher Kritik seitens der Produktion bzw. des Verleihs. Der Film richtet sich vor allem an ein türkischsprachiges Publikum. Eine synchronisierte Fassung für das deutschsprachige Publikum gibt es nicht. In Deutschland läuft Fetih mit deutschen Untertiteln in diversen Multiplexkinos.

Ich fand den Film ganz gut gemacht. Die aufwändigen Schlachtszenen können sich sehen lassen und insgesamt waren die knapp 170 Minuten recht kurzweilig. Wer auf Helden-Epos und mittelalterliches Schlachtgetümmel steht, wird mit „Fetih 1453“ vor allem in der zweiten Hälfte des Films bedient. Lediglich die digitalen Effekte sind nicht ganz so schick, wie man sie von Blockbustern gewohnt ist. In der ersten Hälfte beschäftigt sich der Film vor allem damit, Mehmet II. zum Überherrscher hoch zu stilisieren. Das wirkt teilweise unfreiwillig komisch. Klischheehaft trifft Mehmet beim Bogenschießen immer genau ins Schwarze, gewinnt im Schach und so weiter. Außerdem ist er nicht nur ein weiser und gütiger Herrscher, sondern auch ein liebevoller Familienmensch, ein echter Mister Perfect halt.

Als Propaganda oder geschichtsrevisionistisch würde ich den Film nicht unbedingt bezeichnen. Ein bisschen Glorifizierung alla „Patton – Rebell in Uniform“ und hier und da ein paar religiöse Untertöne machen einen Film nicht gleich zum Propagandastreifen. Wir sind erwachsen genug um zu erkennen, dass der Film vor allem unterhalten will und keine Geschichtsdoku ist, behaupte ich mal. Insgesamt fand ich den Film sehr unterhaltsam, trotz B-Movie-Faktor. Wer sich für Filmkunst aus der Türkei interessiert, sollte Fetih allerdings ignorieren und den herausragenden Film „Bal – Honig“ von Semih Kaplanoğlu anschauen, der mit seiner einzigartigen, poetischen Bildsprache zu verzaubern weiß.

~ von tofuzius - Februar 29, 2012.

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